Wille, Geist, Gehirn – und wo bleibt die Freiheit? Bemerkungen zu einem Rätsel der Philosophie
Montag, 9. November 2015
19.00 Uhr, Aula der Universität Graz, Hauptgebäude (1.Stock), Universitätsplatz 3, 8010 Graz [Lageplan der Universität Graz,
Gebäude Nr. 1] sowie per Live-Übertragung in den Regionen
Die Montagsakademie bietet allgemein verständliche Vorträge aus der Welt der Wissenschaft: frei zugänglich und kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Univ.-Prof. Dr. Peter Strasser, Institut für Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie und Rechtsinformatik, Universität Graz
Zum Vortrag:
Seit jeher haben die Naturalisten behauptet, dass alles entweder eine physische Ursache habe oder eben zufällig geschehe, auch die scheinbar selbständigen, wohlüberlegten Entscheidungen. Heute behaupten viele Hirnforscher, dass sie in der Lage seien, mit ihren Methoden den naturalistischen Standpunkt zu belegen. Demnach würden nicht wir selbst unseren Willen oder Geist steuern. Der große Steuermann wäre vielmehr unser Gehirn. Im Vortrag wird gezeigt, dass wir ohne Freiheitsunterstellung nicht auskommen, solange wir einander als verantwortliche Individuen begreifen – als autonome Subjekte, die zu moralischem Handeln fähig sind. Es gibt eine Alltagsmetaphysik der Person, welcher die Wissenschaft blind gegenübersteht. Deshalb wird zwischen Philosophen und Hirnforschern oft aneinander vorbeigeredet. Beide streben nach einer Lösung, die Frage der „Willensfreiheit“ lässt sich jedoch weder durch Erfahrungsbefunde noch durch rein begriffliche Argumente entscheiden. Sie ist unabweisbar und zugleich rätselhaft.
Zur Person:
Univ.-Prof., Dr. phil., geboren 1950, unterrichtet an der Karl-Franzens-Universität in Graz Philosophie und Rechtsphilosophie. Von 1990 bis 1995 Beirat im Avantgardefestival „steirischer herbst“. Seit 1999 Lektor und Gastprofessor am Institut für Philosophie der Universität Klagenfurt. Von 2002 bis 2008 Mitherausgeber der „Bibliothek der Unruhe und des Bewahrens“ (Styria Verlag), ab 2010 wissenschaftlicher Berater in der Essayreihe „Unruhe bewahren“ beim Residenz Verlag. Von 2003 bis Mai 2013 Verfasser der Mittwochskolumne „Die vorletzten Dinge“ in der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“.
Beschäftigung mit Fragen der Ethik, Rechtstheorie, Kriminologie, Metaphysik und Religionsphilosophie.
2014: Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik.
Jüngere Buchpublikationen: „Gut in allen möglichen Welten. Der ethische Horizont“, 2004 (2., verb. Aufl. 2008). „Verbrechermenschen. Zur kriminalwissenschaftlichen Erzeugung des Bösen“, erweiterte Neuausgabe 2005 (Erstausgabe 1984). „Theorie der Erlösung. Eine Einführung in die Religionsphilosophie“, 2006. „Dunkle Gnade. Willkür und Wohlwollen“, 2007. „Warum überhaupt Religion? Der Gott, der Richard Dawkins schuf“, 2008. „Über Selbstachtung“, 2009. „Die einfachen Dinge des Lebens“, 2009. „Sehnsucht“, 2010, „Was ist Glück? Über das Gefühl, lebendig zu sein“, 2011. „Unschuld. Das verfolgte Ideal“, 2012. „Wie es ist, ein Philosoph zu sein. Strebers Erzählungen“, 2012. „Ratlosigkeit. Ein Stimmungsbericht“, 2013. „Kümmre dich um deine Angelegenheiten! Über die Selbstsorge“, 2014. „Diktatur des Gehirns. Für eine Philosophie des Geistes“, 2014. „Ein Quäntchen Trost. Nachträge zur Glückseligkeit“, 2015.
2014 erschien im Wiener Braumüller Verlag ein Abenteuerbuch des legendären Vollmopses Paul: „Immer wieder dasselbe und am besten nichts Neues! Die Weisheit des Austrobuddhismus“. Eine Fortsetzung gab’s jüngst, Frühjahr 2015, wieder bei Braumüller: „Lust. Ein Anstandsbuch“.