Mündige BürgerInnen, souveräne KonsumentInnen: Von den Grenzen der Selbstbestimmung und ihren Folgen
Montag, 23. November 2015
19.00 Uhr, Aula der Universität Graz, Hauptgebäude (1.Stock), Universitätsplatz 3, 8010 Graz [Lageplan der Universität Graz,
Gebäude Nr. 1] sowie per Live-Übertragung in den Regionen
Die Montagsakademie bietet allgemein verständliche Vorträge aus der Welt der Wissenschaft: frei zugänglich und kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Univ.-Prof. Mag. Dr. Richard Sturn, Institut für Finanzwissenschaft und Öffentliche Wirtschaft, Universität Graz
Zum Vortrag:
Verbot harter Drogen, Schulpflicht, Sachtransfers anstelle von Geldleistungen für einkommensschwache Familien, Gurten-, Helm- und sonstige Pflichten zum Selbstschutz und zur Vorsorge. Dies alles sind staatliche Maßnahmen, die grundlegenden Annahmen des marktwirtschaftlichen Liberalismus widersprechen: Menschen mit freiem Willen wissen selbst am besten, was für sie gut ist. Wird ihnen Eigenverantwortung abgenommen, verkümmert ihre Fähigkeit zur Selbstbestimmung. Pauschalangriffe gegen staatlich verordnete Entmündigung führen nicht weiter. Viele finden die genannten Maßnahmen vor dem Hintergrund ihrer Lebenserfahrung plausibel. Wie aber grenzt man plausible Maßnahmen zum Vorteil vieler von Bevormundung und Paternalismus ab? Und inwiefern ist der Umstand relevant, dass Menschen nicht nur KonsumentInnen sind, sondern in einer Demokratie die Rahmenbedingungen mitgestalten? In diesem Vortrag werden Beispiele (Alterssicherung) diskutiert und Befunde der experimentellen Ökonomik und neuere Ansätze wie jenes des Libertären Paternalismus vorgestellt. Diese bieten eine differenzierte und konstruktive Perspektive auf Fragen der Selbstbestimmung und ihrer Grenzen, die ebenso heikel wie grundlegend sind.
Zur Person:
Geboren in Bregenz. Nach der Matura am Bundesgymnasium Bregenz Militärdienst und Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien. Sponsion zum Magister rer.soc.oec. und 1988 Promotion zum Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien.
Seit 1997 Professor am und seit 2008 Leiter des Instituts für Finanzwissenschaft und Öffentliche Wirtschaft der Karl-Franzens-Universität Graz. Seit 2015 Joseph A. Schumpeter Professor für Innovation, Entwicklung und Wachstum und Leiter des Graz Schumpeter Centres an der Karl-Franzens-Universität Graz. 2003-2007 Forschungsdekan der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität.
Managing Editor des European Journal for the History of Economic Thought.
Zahlreiche Publikationen, nicht zuletzt über Schumpeterian Economics und die österreichische Schule der Ökonomie und den öffentlichen Sektor im Spannungsfeld von Effizienz und Gerechtigkeit. Mitgliedschaft und Funktionen in internationalen wissenschaftlichen Vereinigungen
Zum Thema des Vortrags ist v.a. eine Publikation zu nennen:
Held Martin, Kubon–Gilke Gisela, Sturn Richard (Hrsg.), Grenzen der Konsumentensouveränität. Normative und institutionelle Grundfragen der Ökonomik, Jahrbuch 12, Metropolis-Verlag, Marburg/Lahn 2013.