Die Mikrowelt von Pflanzen – eine Sensation?
Abbildung: Laserscanning-Mikrofotografie von Pflanzenhabitaten. Die Bakterien wurden durch Fluorescencein situ hybridization (FISH) sichtbar gemacht (A-C) und zeigen A) ein Moosblatt, B) Bakterien an Kürbispollen, C) Bakterien im Salat, und D) Rapswurzeln, die mit einem Ds Red-markierten Biocontrolagent P. trivialis 3Re2-7 inokuliert wurden (aus Berg et al. 2013).
Univ.-Prof. Dr. Gabriele Berg, Institut für Umweltbiotechnologie, Technische Universität Graz
Foto by Institut für Umwelbiotechnologie
Montag, 17. November 2014
19.00 Uhr, Aula der Universität Graz, Hauptgebäude (1.Stock), Universitätsplatz 3, 8010 Graz [Lageplan der Universität Graz,
Gebäude Nr. 1] sowie per Live-Übertragung in den Regionen
Die Montagsakademie bietet allgemein verständliche Vorträge aus der Welt der Wissenschaft: frei zugänglich und kostenfrei.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Zum Vortrag:
Während einzelne Mikroorganismen bereits nach der Erfindung des Mikroskops im 17. Jahrhundert durch Antoni van Leeuwenhoek sichtbar gemacht werden konnten, blieben die Identität der einzelnen Mikroorganismen sowie die Struktur komplexer Gemeinschaften aus ihnen lange Zeit unbekannt. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurden molekulare Techniken entwickelt, die diese Black Box öffnen konnten. Studien, die in den letzten 10 Jahren durchgeführt wurden, ergaben eine hohe Anzahl von überraschender Vielfalt in den mikrobiellen Ökosystemen: im menschlichen Darm leben mehr als 100 Trillionen Mikroorganismen; in der Pflanzenwurzel, die ähnlich wie unser Darm der Nährstoffaufnahme dient, leben mehr Mikroorganismen, als Menschen auf der Erde. Die komplexen Mikroorganismengemeinschaften werden als Mikrobiome bezeichnet. Pflanzen werden nun im Zusammenhang mit ihren Mikroorganismen gesehen: ohne sie sind viele nicht in der Lage zu keimen, zu wachsen oder wohlschmeckende Früchte zu bilden. Interessanterweise gibt es einen Zusammenhang zwischen Mikrobiomen: unsere Nahrung bestimmt nicht nur indirekt über ihre Zusammensetzung unser eigenes, individuelles Mikrobiom, sondern dient auch direkt als wichtige Quelle für nützliche Mikroorganismen. Die Erkenntnisse der letzten Jahre führten zu einer Neubewertung von Pflanzen als Gesamtlebewesen mit Konsequenzen für die Landwirtschaft, die Ökosystemforschung und die menschliche Gesundheit.
Zur Person:
Univ.-Prof. Dr. Gabriele Berg wurde 1963 in Potsdam, Deutschland, geboren. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Söhne. 1981-1986 Studium der Biologie an der Universität Rostock; 1986-1987 Forschungsstudium Mikrobiologie / Biotechnologie an der Ernst-Moritz-arndt Universtität in Greifswald; 2001 Habilitation und Venia legendi (Mikrobiologie), Universität Rostock; 1996-2003 Assistentin und Oberassistentin an der Universität Rostock; 2003-2005 Heisenberg-Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft; seit 2005 Universitätsprofessorin für Umweltbiotechnologie an der TU Graz.
Aktuelles Arbeitsgebiet: Die Biotechnologie eröffnet Möglichkeiten für die Entwicklung effizienter, nachhaltiger und umweltfreundlicher Strategien für unsere Umwelt. Dafür ist es notwendig, die grundlegenden Kreisläufe und Prinzipien in Ökosystemen zu verstehen und daraus Fragestellungen und Lösungen für die Umweltbiotechnologie abzuleiten. Meine Forschung beschäftigt sich mit Fragestellungen der Umweltbiotechnologie, wie der Biodiversität in Ökosystemen (insbesondere pfalzenassoziierten Mikroorganismen) und deren Nutzung als Bioressource bis hin zu vielen angewandten Fragestellungen und Produktentwicklungen.
Auszeichnungen:
- Heisenberg-Stipendium 2004-2005
- Rostocker Kreis 2004
- Science2Business Award 2011
- ÖGUT Umweltpreis 2012
Publikationen: 175 Publikationen, 6 Patente, 155 eingeladene Vorträge
Weiterführende Links: www.ima.tugraz.at
