Montag, 14. Mai 2018
19.00 Uhr, Aula der Universität Graz, Hauptgebäude (1.Stock), Universitätsplatz 3, 8010 Graz [Lageplan der Universität Graz] sowie per Live-Übertragung in den Regionen
Univ.-Prof. Dipl.-Agr.Biol. Dr.Ing. Bernhard Freyer, Institut für Ökologischen Landbau, Universität für Bodenkultur Wien
Zum Vortrag:
Die Lebensmittelproduktion wird weltweit zu 70-80 % über eine kleinbäuerliche Landwirtschaft abgedeckt. Diese produziert zum einen ohne Betriebsmittel von außen, was man vorsichtig mit traditionell bezeichnen kann, teilweise mit Herbiziden und Pflanzenschutzmitteln und mineralischen Düngern, mit einzelnen Praktiken des ökologischen Landbaus. Nur zu einem sehr geringen Anteil (<1%) handelt es sich um Formen des Ökologischen Landbaus. Mengenmäßig werden heute ausreichend Lebensmittel produziert, dennoch hungern Millionen Menschen – daran hat sich de facto in den zurückliegenden Jahrzehnten nichts Grundlegendes verändert.
Bekannt ist der immense Raubbau an Ressourcen, sowohl über zunehmend monokulturell agierende kleinbäuerliche Betriebe (und dies nicht freiwillig), als auch über industrielle Großbetriebe. Langfristig gesehen sind der irreversible Flächenverlust und die lokale Verfügbarkeit von Wasser entscheidend für die Ernährung der Weltbevölkerung. Davon abgesehen sind die immensen Nachernteverluste, und Ernährungsweisen zu erwähnen, welche einen ineffizienten Umgang mit den vorhandenen Lebensmitteln dokumentieren. Lebensmittelverknappung ist also hausgemacht, die dazu führenden Faktoren weithin bekannt, jedoch die Potentiale für eine Steigerung der Produktion bislang nicht aufgegriffen.
Welche Rolle kann der Ökologische Landbau für eine globale Lebensmittelversorgung einnehmen und welche nicht? Dazu wird auf die unterschiedlichen Paradigmen in einem ökologischen und einem konventionellen Ernährungssystem eingegangen und konkrete Maßnahmen genannt, wie vor allem in den südlichen einkommensschwachen Ländern die Produktivität gesteigert werden kann, und welche Hürden sich einem paradigmatischen Wandel entgegenstellen. Dies unterstützt mit einigem Bildmaterial aus Afrika.
Zur Person:
Univ.-Prof. Dr. Bernhard Freyer leitet das Institut für Ökologischen Landbau und die Arbeitsgruppe „Transdisziplinäre Systemforschung“ an der Universität für Bodenkultur Wien. Darüber hinaus war er 2010/11 Senior Fellow an der Universität Minnesota/USA. In seiner Forschung befasst er sich mit Systemtheorie und gesellschaftlichem Wandel in Zusammenhang mit ökologischer Landwirtschaft und Low-Input Systemen. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen in der Nachhaltigkeit von Klöstern, Partnerschaften zwischen ErzeugerInnen und VerbraucherInnen, Ethik in ökologischen Agrarlebensmittelsystemen, Konsumverhalten, Klimaveränderung und Kleinbauernwirtschaft (in den Tropen). Er war Organisator und Leiter verschiedener nationaler und internationaler Forschungsprojekte. Er betreut Doktorats- und Masterarbeiten seit mehr als 25 Jahren und lehrt einen breiten Themenkreis von ökologischer Landwirtschaft bis hin zu Methoden und Theorien in den Sozialwissenschaften. Außerdem ist er Gutachter in mehreren Zeitschriften im Bereich der Sozialwissenschaften, Ethik, Ökologie und Landwirtschaft.
Weitere Informationen unter: www.nas.boku.ac.at/ifoel/institutsorganisation/mitarbeiterinnen/freyer-bernhard/